Der Berliner Euro in Zeitungsmeldungen
 
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Letzte Änderung: 26.12.97
                                        Modellversuch in Berlin
von Thorsten Gabriel

Berlin/MZ. McDonald's am Kurfürstendamm bietet den Hamburger für drei Euro an, die Flasche Whiskey kostet in Berlins renommiertem Warenhaus KaDeWe zehn Euro. Das gibt es nur in der Hauptstadt: Berlin steckt im Euro-Fieber. Eine Woche lang ist die künftige europäische Währung buchstäblich hautnah zu erleben.
Mit Tempo in die Zukunft - zumindest in die monetäre: Vom 2. Bis zum 10. Mai findet in Berlin die "Europa-Woche" statt, die in diesem Jahr ganz im Zeichen der Währungsunion steht. Motto: "Der Euro rollt in Berlin".
In über 50 Geschäften und Restaurants ist das heiß diskutierte Zahlungsmittel der Zukunft dann gültig - obwohl es den echten Euro noch gar nicht gibt. Der wird voraussichtlich erst von 1999 an in Deutschland zu haben sein.
Auf eigene Kosten ließ die Landesbank Berlin rund 1,3 Millionen Sonder-Euros prägen. Eine Art "Spielgeld", das aber wie eine echte Währung akzeptiert wird. Um Verwechslungen mit den später amtlichen Münzen zu vermeiden, gibt es den "Spielgeld-Euro" in den Werten eineinhalb, zweieinhalb und zehn. Bereits ab Ende April kann man in den 200 Filialen der Berliner Sparkasse und an Sonderwechselstellen D-Mark gegen "Euro" eintauschen, zum Kurs von 2:1. Wer also etwa mit fünf Euros einkaufen möchte, muß zuvor zehn Mark dafür bezahlen.
Von einem "Großversuch, den es in Europa noch nie gegeben hat", spricht Axel Bunz, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. "Wir wollen mit diesem Probelauf die Bevölkerung auf das neue Zahlungsmittel einstimmen und Vorurteile abbauen."
In Ostdeutschland scheint das Echo auf den Euro noch recht schwach zu sein. Bunz: "Für die Bevölkerung ist das noch kein großes Thema. Ob dies auf Ablehnung oder auf Unsicherheit zurückzuführen ist, bleibe abzuwarten.

                                                            Mitteldeutsche Zeitung            Übersicht   oder 

                                           30. März 1997
 Der Euro kommt, und in  Berlin startet sein Probelauf
 Von Michael L. Müller

Noch ist die Sache mit dem besonderen  Berliner Europa-Geld streng geheim. Aber die  Münze am Molkenmarkt hat bereits den
Auftrag, den Probe-Euro in mehreren  Wertstufen und in einer Auflage von über einer  Million Stück zu prägen. Die Münzen ollen  vom 2. bis 4.Mai beim großen Fest "Der Euro  rollt am Roten Rathaus" Zahlungsmittel werden.
Der Senat versucht gegenwärtig sogar, zahlreiche Geschäftsinhaber rund um den Alex  sowie an Tauentzien und Kudamm zu ewegen, den Berliner Euro während der ganzen Europa-Woche Anfang Mai zu akzeptieren. In sämtlichen 172 Filialen der Berliner Sparkasse werden die Münzen voraussichtlich von Mitte April an zu haben und - gegebenenfalls - später wieder in D-Mark zurückzutauschen sein. Sehr wahrscheinlich lohnt sich der Aufwand für das Kreditinstitut, denn der Probe-Euro dürfte bei Sammlern begehrt sein.
Mit dem Fest vor dem Rathaus inszeniert der Senat gemeinsam mit dem Berliner Büro der Europäischen Kommission eine breit angelegte Werbekampagne für die am 1.Januar 1999 beginnende und nach den Planungen bis zum 1.Juli 2002 abzuschließende Einführung des Euro. Die Verantwortlichen wissen, daß es in der Bevölkerung noch große Widerstände gibt. Auch viele mittlere und kleinere Unternehmen in Berlin sprechen sich weiterhin für die Beibehaltung der D-Mark und gegen die neue Gemeinschafts-Währung aus. Wie der Verwaltungsratsvorsitzende des Wirtschafts-Förderungs-Unternehmens BAO Berlin, Knut Fischer, Ende Februar bei einer Info-Veranstaltung für 280 Berliner Firmeninhaber im "Schweizerhof" mitteilte, stößt der Euro allerdings nicht mehr auf eine so starke Ablehnung wie noch vor einem Jahr. Immerhin halten erst 40 Prozent der Berliner Unternehmen die Währungsunion für "wünschenswert und wahrscheinlich". Im Ost-Teil sind es sogar nur 35 Prozent. Allerdings zählen Industrie, Dienstleister und vor allem Banken zu den Euro-Befürwortern. So wird auch der Berliner Probe-Euro, über dessen Aussehen derzeit nur wenige Eingeweihte Bescheid wissen, im Auftrag der Landesbank Berlin gefertigt. Wie aus der Senatskanzlei zu erfahren ist, hat sich für die Prägung der Münzen vor allem Thomas Kurze, im Vorstand für Privatkunden zuständig, besonders stark gemacht.
Aus rechtlichen Gründen darf das Berliner Europa-Geld im übrigen nicht als Ein- oder Zwei-Euro-Münze geprägt werden. Es müssen Eineinhalb- und Zweieinhalb-Euros hergestellt werden, damit von vornherein jede Verwechslung mit den künftigen amtlichen Euro-Münzen ausgeschlossen ist.
Bei dem Fest werden die 15 Länder der Europäischen Union sowie die EU-Beitrittskandidaten in Mittel- und Osteuropa gastronomische Spezialitäten anbieten. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, Senatoren und Repräsentanten aus anderen Bundesländern wollen den Bürgern zum Thema Euro Rede und Antwort stehen.  Wegen des großen Informationsbedürfnisses startet die Industrie- und Handelskammer am 5.Mai gemeinsam mit der BAO Berlin die Seminarreihe "Der Euro und die Wirtschaft". Am 9.Juni steht die Bedeutung des Euro für die Reisebranche auf dem Programm.  Schon vom 7.April an veranstaltet die Kammer in ihrem Gebäude an der Hardenbergstraße für Unternehmer, die sich rechtzeitig Rat holen und "Euro-fit" in die europäische Zukunft gehen wollen, jeden ersten Montag im Monat um 17 Uhr einen "Euro Jour fixe".

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                                               19. April 1997
 Berlin feiert  Euro-Premiere

Der Test: 1,3 Millionen Medaillen vom 3.
bis 11. Mai im Umlauf

 Von Jörg Meißner

 In rund 50 Berliner Geschäften, Kaufhäusern  und Restaurants werden Kunden in der Zeit  vom 3. bis zum 11.Mai 1997 mit dem "Euro"  bezahlen können. Die Landesbank Berlin  (LBB) hat 1,3 Millionen Euro-Medaillen  prägen lassen, die hier im Rahmen der  bundesweiten Europa-Woche neben der Mark  als eigenständiges Zahlungsmittel gelten  werden.
 Die Münzen sind vom 21.April an in den 200  Filialen der LBB/Berliner Sparkasse erhältlich  und können gebührenfrei zum Kurs von zwei  Mark je Euro eingetauscht werden. Geprägt  wurden fiktive Werte, die es später bei der  echten EU-Währung nicht geben wird: 11/2  Euro, 21/2 Euro und 10 Euro. Sie kosten drei  und fünf beziehungsweise 20 Mark.
 Zusätzliche Wechselstellen werden während  des europaweit ersten Großversuchs dieser Art  vor dem Roten Rathaus und am  Wittenbergplatz eingerichtet. Der Rücktausch  der Medaillen ist gebührenfrei bis zum 16. Mai  in allen Sparkassenfilialen möglich.
 Mit dem Sonder-Zahlungsmittel kann  insbesondere in Geschäften rund um den  Fernsehturm und am Tauentzien bezahlt  werden (siehe nebenstehende Liste). Ein  gleichartiger kleinerer Versuch in der  südbadischen Gemeinde Waldshut (gemeint ist Waldkirch <Anm. von mir>) vor einigen  Monaten hat allerdings gezeigt, daß die meisten  Euro-Medaillen Sammlerzwecken dienen und  nicht wieder ausgegeben werden. Speziell für  Sammler gibt die LBB in Berlin noch eine  Sonder-Edition in limitierter Auflage in  Feinsilber und Feingold heraus.
 Wie der Europa-Beauftragte des Landes  Berlin, Gerd Wartenberg, gestern mitteilte, ist  die Münz-Aktion Teil einer großen  Informationskampagne, die mit rund 60  Veranstaltungen in der Hauptstadt für den  Euro werben will. So ist vom 2. bis 4. Mai vor  dem Berliner Rathaus ein Bürgerfest unter dem  Motto "Der Euro rollt am Roten Rathaus".  Außer zahlreichen Informationsständen werden  prominente Politiker "für eine umfassende,  kompetente und individuelle Beratung der  Bürger" über alle Fragen zum Euro sorgen.  Abgerundet wird das Fest durch ein  europäisches Kulturprogramm sowie durch ein  breites kulinarisches Angebot aus Europas  Küchen.
 Auch die S-Bahn ist mit von der Partie. Auf  der Berlin und Brandenburg verbindenden Linie  S5 von Charlottenburg bis nach Strausberg und  Strausberg Nord wird vom 3. Mai an ein eigens  für die Aktion gestalteter Euro-S-Bahn-Zug  unterwegs sein. Sachkundige Berater werden  dort eine Woche lang täglich zwischen 9 und 18  Uhr über den Euro aufklären und für Fragen
 zur Verfügung stehen. Die Linie benutzen pro  Tag rund 140 000 Fahrgäste.

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                                25. April 1997
Berlin - In Berlin gibt's eine zweite Währung - den Euro
 

Alle Filialen der Landesbank verzeichnen regen Tauschverkehr. Am Adenauerplatz waren gestern die 10-Euro-Stücke (Preis: 20 Mark) schon ausverkauft. Doch einkaufen kann man mit dem Berliner Euro nur vom 2. bis 11. Mai - auf dem Frühlingsfest vor dem Berliner Rathaus und in über 50 Geschäften an Alex und Kudamm. Die BZ testete jetzt schon, ob der Euro rollt.
"Mit Euro wollen Sie zahlen?" fragt Kellnerin Kerstin Markwart im Kranzler. "Das geht erst nächste Woche". Dann wird sie doch neugierig, beguckt die fremdartigen, glänzenden Münzen, meint dann: "D-Mark ist mir doch lieber."
Euro-Skeptiker ist auch der Inhaber der Wechselstube um die Ecke. "Währungsunion? Da fallen ja auf einen Schlag elf Währungen weg!" Manuela Blaustein, Filialleiterin von Schuh-Neumann an der Tauentzienstraße, hat da weniger Berührungsängste. "Grundsätzlich gerne! Können Sie einen Moment warten? Ich muß erst mal meinen Chef nach dem Umtauschkurs fragen." Ganz cool schließlich Bettler Kurt Glogauer: "Haste ma' nen Euro? Klar nehm ich den. Kann ich ja wieder zurücktauschen. Oder ich behalte ihn zur Erinnerung. . ."
 

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                                        29.April 1997
In über 50 Geschäften und Restaurants am Alex und am Kudamm kann mit Medaillen der Landesbank Berlin bezahlt werden

Berlin - Die Hauptstadt ist ihrer Zeit wieder einmal voraus: Der Euro wird offiziell zwar erst in fünf Jahren als Zahlungsmittel eingeführt. Doch während der Europawoche vom 2. bis 11. Mai können die Berliner jetzt schon die neue Währung testen. Die
Landesbank Berlin ließ 1,2 Millionen Medaillen zu 1,5, sowie 2,5 und 10 Euro prägen.
Wenn der Euro an Kudamm und Alex rollt, kostet die Flasche "Johnnie Walker" im KaDeWe zehn Euro, die Schachtel      Pralinen einen Euro 50. Bei Mövenpick können Feinschmecker Spargel mit Sauce Hollandaise für zehn Euro schlemmen.
Bier und Buletten kosten in der Kneipe "Zum Nußbaum" je einen Euro 50. Darüber hinaus nehmen viele andere Geschäfte und Restaurants in City West und Ost die Landesbank-Medaillen in Zahlung.
Die internationalen Leckerbissen auf dem europäischen Frühlingsfest vom 2. bis 4. Mai vor dem Berliner Rathaus müssen      sogar ausschließlich mit Euro bezahlt werden.
Die "Berliner Euros" können in allen 200 Filialen der Berliner Sparkasse oder der Landesbank Berlin zum Kurs zwei Mark
für einen Euro eingetauscht werden. Zusätzliche Wechselstellen werden während der Europawoche in Containern vor dem Berliner Rathaus und auf dem Wittenbergplatz eingerichtet. Wer die Medaillen nicht als Sammel- oder Erinnerungsstück aufbewahren möchte, kann sie bis 16. Mai in allen Sparkassenfilialen wieder zurücktauschen - natürlich gebührenfrei.
"Wir wollen in unserer Stadt die Kenntnis über die neue Währung verbesssern, Vorurteile abbauen und den Euro erlebbar machen", begründet Landesbank-Vorstand Dr. Thomas Kurze das Engagement seines Geldinsituts. Für das in dieser Größe einmalige Experiment mußte die Landesbank extra eine Sondergenehmigung des Bundesfinanzministeriums einholen. Daher     auch die "krummen" Werte von 1,5 und 2,5 Euro.
"Diese Münzwerte wird es beim echten Euro ab 2002 ganz sicher nicht geben", weiß Landesbanker Dr. Kurze. "Deswegen       besteht keine Verwechslungsgefahr."
Der Regierende begrüßt die Aktion der Landesbank. "Nur, wer rundum Bescheid weiß, ist wegen der Währungsumstellung       nicht verunsichert." Eberhard Diepgen weiter: "Innerhalb der EU werden wir an längst weit geöffneten Grenzen nur noch lässig durchgewinkt. Schwer einzusehen, daß dann noch gestoppt werden muß, um Geld umzutauschen wie seit Methusalems Zeiten."

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                                    29.April 1997
EURO-Frühling am Alex

Amusement und Information vor dem Berliner Rathaus

      Berlin - Wirtschafts-Experten und Politiker reden sich über die Währungsunion die Köpfe heiß. Die Berliner feiern. Vom 2. bis 4. Mai steigt ein großes Frühlingsfest rund um den Neptunbrunnen. Motto: "Der Euro rollt am Roten Rathaus". Veranstalter: Der Senat, die Europäische Kommission und das europäische Informationszentrum Berlin.
Der Clou: Bratwurst, Molle und europäische Spezialitäten gibt' s nicht gegen die gewohnte D-Mark, sondern ausschließlich für Euro-Münzen, die die Landesbank Berlin extra für die Europawoche vom 2. bis 11. Mai 1997 prägen ließ.
Auf dem Bürgerfest und in über 50 Geschäften und Restaurants in City Ost und West können die Berliner während dieses Zeit die Kaufkraft des Euro schon mal testen.
Der Einkauf mit dem "Euro-Spielgeld" soll Berührungsängste nehmen: Zwar bekommt der Verbaucher für seine Mark nur halb   soviele Euros. Doch die Preise werden auch halbiert.
1,2 Millionen Euro-Medaillen sollen zum Kurs 1:2 unters Volk gebracht werden. Das ist in dieser Größe ein bisher einmaliges Experiment. Noch nie hat eine europäische Großstadt probehalber die Währungsunion vorweggenommen.
Offiziell eröffnet wird das europäische Bürgerfest am Freitag, 2. Mai um 16 Uhr. Bis Sonntagabend um 21 Uhr werden Informationen rund um Europa, Talkrunden mit prominenten Gästen, Musik, Tanz und Kultur geboten.  Für den Sonntagnachmittag zwischen 13.30 Uhr und 15 Uhr hat sich Bundestagspräsidention Rita Süßmuth angesagt. Ebenfalls am Sonntag plant das ZDF eine Sondersendung aus dem Reichstag mit Live-Schaltung zum Bürgerfest vor dem Berliner Rathaus.
Der Einkauf mit dem Berliner Euro ist an Kudamm und Alex noch während der ganzen Europawoche bis 11. Mai möglich.
"Es wird zwar intensiv über die Währungsunion diskutiert", weiß Berlins Europa-Staatssekretär Gerd Wartenberg. "Aber es besteht noch großer Informationsbedarf."  Den sollen 30 Europa-Experten des europäischen Informationszentrums decken. Sie schwärmen während der Europawoche vom Jean-Monnet-Haus an der Bundesalle aus, beantworten Fragen auf dem Frühlingsfest vor dem Berliner Rathaus und in der S-Bahn.

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                                                 02. Mai 1997
Europa-Party am Roten Rathaus: Heute geht's los

 Mit Politik, Gaumenfreuden und Musik

 Spanische Paella, Irish Stew, französische Crêpes, aber auch Pfälzer Saumagen und Prager Schinken: Vor dem Roten Rathaus wird heute nachmittag die von der Europäischen Kommission, dem Euro-Informationszentrum Berlin und dem Senat veranstaltete Europa-Woche mit einem "Europäischen Frühlingsfest" eröffnet. Ein Besuch dürfte sich lohnen: Selbst Gourmet-Koch Johannes King vom Grand Slam und die Spitzenköche vom Logenhaus bieten ihre Leckereien ausnahmsweise im Freien an.
Euro-Clou: Exklusives Zahlungsmittel für die kulinarischen Spezialitäten aus einem Dutzend europäischer Länder sind eigens von der Landesbank Berlin (LBB) geprägte Euro-Münzen, die bereits im Vorfeld bei den Sparkassen gebührenfrei im Verhältnis zwei zu eins gegen DM eingetauscht wurden, aber auch noch in zwölf Wechselstuben direkt auf dem Euro-Fest zu erhalten sind. Aus rechtlichen Gründen (und um spätere Verwechslungen mit dem echten Euro auszuschließen) gibt es den Berlin-Euro in schrägen Nominalwerten zu 1,5, 2,5 und 10 Euro (umgerechnet 20 DM). Die LBB ließ eigens 1,3 Mio. Münzen prägen, die noch bis 16.Mai zurückgetauscht werden können.
Offizielle Eröffnung ist heute um 16 Uhr. Der Europabeauftragte Berlins, Gerd Wartenberg, und LBB-Vorstand Dr. Thomas Kurze werden Ansprachen halten und über die Aktion "Der Euro rollt in Berlin" informieren. Bis 22 Uhr wechseln sich dann Auftritte u.a. der BSR Big Band, der Abba-Revival-Band "Abba 99" sowie der Micky-Malten-Band (Irish Folk) mit weiteren Politikeransprachen ab.
Am Sonnabend ist das Euro-Fest von 10 bis 22 Uhr geöffnet, am Sonntag dann nochmals von 10 bis 21 Uhr. Neben den insgesamt rund 40 gastronomischen Ständen rund um den Neptunbrunnen wird es auch fünf Pagodenzelte geben, in denen Berlins Europabeauftragter, Brandenburg, Sachsen, das Euro-Informationszentrum, die Arbeitsgemeinschaft Euro sowie die "Bürger Europas" Berührungsängste gegen die geplante Euro-Währung abzubauen versuchen. Ein weiteres Zelt gibt es extra für Kinder.
Als Politprominenz haben sich für Sonnabend u.a. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, Eberhard Diepgen (beide Ansprachen ca. 12-13 Uhr), der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (15.30 Uhr), und der Präsident der Europäischen Bewegung Frankreichs, Jean-Louis Bourlanges (18 Uhr), angekündigt.
Am Sonntag wird in der Zeit von 11 bis 12 Uhr zunächst Bürgermeisterin Christine Bergmann sprechen, zwischen 13.30 und 15 Uhr Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Musikalische Highlights sind Sonntag abend Stern Meißen und Nightshift.
Eine Telefonaktion der Berliner Morgenpost zum Euro findet am 11. Mai statt. hps

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                                           03. Mai 1997
Jetzt geht's looo-oos:  Shopping mit Euro-Geld

      Berlin - Die Hauptstadt hat jetzt zwei Währungen. Seit gestern kann in vielen Geschäften der City West (Kudamm) und rund ums Nikolaiviertel mit Euro-Geld bezahlt werden.
Aber von "Europhorie" war noch nicht viel zu spüren, fast alle Kunden bezahlten mit D-Mark. Ines Fänger (37) vom "Teeladen" (Propststraße 8, Mitte): "In meiner Kasse liegt noch kein einziger Euro!"
Dabei wurden bei den Sparkassen bereits 400 000 Münzen eingelöst (von 1,3 Mio.). Ein Euro kostet zwei Mark. Heute öffnen auch die Wechselstuben am Alexander-, Wittenberg- und Breitscheidplatz.
Die Geschäfte haben sich für das Experiment viele "Euro-Angebote" ausgedacht. Im KaDeWe kauft man günstig schottischen Whisky (10 Euro), bei Ruhnke Optik Sonnenbrillen (50 Euro), im Kaufhof am Alex Kaffedosen (2,5 Euro).
So richtig ins Rollen kommt der Euro auf dem Frühlingsfest vorm Roten Rathaus (Sa 10-22, So 10-21 Uhr). Für Molle und Currywurst wird keine Mark akzeptiert, nur Euros kommen auf den Tisch. An 40 Ständen werden europäische Speisen verkauft, in acht Zelten über Europa informiert.
Abgefahren auch das Angebot der S-Bahn. Auf der Linie 5 zwischen Charlottenburg und Strausberg-Nord fahren Euro-Experten mit (bis 12.5.).
Im Zug gibt's Infos über Europa und die neue Währung. Ab 1999 ist die nämlich kein Spaß mehr, sondern Realität.

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                                             04. Mai 1997
Euro-Party: Währung kam beim Probelauf vorm Rathaus ins Rollen

 Von Kai Ritzmann

 Der Euro spaltet. Jedenfalls Ehepaar Klin aus Dahlem. Er ist dafür, sie hegt ihre Vorbehalte. Dennoch wird wohl alles sich zum Guten wenden. "Europa", scherzt Dieter Klin, "wird uns nicht scheiden." Wie im Kleinen so lag Sonnabend beim Euro-Frühlingsfest auch im großen ganzen eine heitere Stimmung in der lauen Berliner Luft: Petrus war wohl mit einer ganzen Ladung Probe-Euros bestochen worden. Zwischen Infopavillons, rund 40 Imbiß-Ständen und zwei Musikbühnen rollte die Währung im Probelauf kräftig auf dem Platz vor dem Roten Rathaus. Mit den 1,5-, 2,5- und 10-Euro-Taler, die zum jeweils doppelten DM-Betrag an zehn Wechselstuben zu erhalten waren, konnten aber nicht allein unterhalb des Fernsehturms Speis und Trank bezahlt werden.
Auch in den umliegenden Geschäften, vor allem im Nikolaiviertel, akzeptierten die meisten Geschäftsleute die neuen, blitzblanken Taler. Rund die Hälfte der 1,3 Millionen geprägten Probe-Euros wurden bis Sonnabend verkauft.
Je weiter vom Fernsehturm man sich entfernte, desto geringer fiel die Freude an dem ungewohnten Zahlungsmittel aus. Zwar lockte zum Beispiel, offenbar nach der Devise "Trinken für Europa", die Gaststätte "Zum Nußbaum" mit verbilligten Euro-Angeboten für Bier und Bouletten, doch löhnten viele Gäste lieber mit der Mark.
Auch in den benachbarten Souvenirläden ging eher deutsches Geld über die Theke. Schwierig bis unmöglich gestaltete sich die Handhabung des Euro an einem großen Süßwaren-Stand. 100 Gramm Naschwerk für 1,1 Euro, da blieb bei der ausgegebenen Stückelung nur der Rückgriff auf Mark und Pfennig. Auch Gurken-Verkäufer Karl-Heinz Westphal mußte tricksen und ein Sonderpaket aus Gewürzgurken, Senfgurken und Cornichons zusammenstellen, um den Endbetrag durch 1,5 teilen zu können.
Die Fragen, die an den Info-Zelten von Experten beantwortet wurden, ließen neben Zuversicht über die positive Wirkung des Euro auch eine Menge "gesundes Berliner Mißtrauen", so ein Abgestellter der Arbeitsgemeinschaft Euro, erkennen. Sogar Eberhard Diepgen registrierte bei einem kurzen Auftritt "eine gewisse Skepsis", gegen die sich der Luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker wendete: "Wir müssen Zugang zu den Herzen der Menschen finden."
Daher war es vordringlich die Absicht der Veranstalter, den Probe-Euro "erlebbar" zu machen. Doch bis alle sich mit der Einheitswährung einverstanden erklären, ist noch ein weiter Weg.
"Erst wenn die Oma ihre Rente in Euros ausgezahlt bekommt, ist das Eis gebrochen", gestand Axel Bunz, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission, ein.

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                                                09. Mai 1997
Wenn der Euro nicht ins Rollen kommt

 Gelassen bis desinteressiert reagieren die meisten Berliner auf den Probe-Euro

 Von Ulrike Heike Müller

 BM Berlin - Berlin testet den Euro: Das Ehepaar Sanders will die soeben erstandenen Probe-Euro unters Volk bringen. Doch das ist nicht so einfach. Aufgeregt wühlen beide auf dem einzigen, lieblos arrangierten Verkaufstisch im Kaufhaus am Alex. Als sie zwischen dem Plunder eine brauchbare Thermoskanne entdecken, ist die Freude groß. "Für zehn Euro nehmen wir die. Die restlichen Münzen behalten wir als Erinnerungsstücke", ruft Annerose Sanders ihrem Albert begeistert zu.
Ebenso wie die beiden handhaben viele Berliner den Probe-Euro. Wenn sie sich auf das Experiment einlassen, tauschen sie ihre geliebte  D-Mark gegen die 1,5-, 2,5- und 10-Euro-Münzen, um ihre numismatische Sammlung zu komplettieren. Noch bis Sonntag können Münz-Fans und Euro-Neugierige in eigens eingerichteten Wechselstellen zwei DM gegen einen Euro tauschen. Dann ist die Euro-Testpase in Berlin vorbei.
Noch gibt es reichlich von dem Probe-Geld; eine Million Münzen wurden geprägt. Wer sich zum Beispiel am Alex mit Euro eingedeckt hat, wird gleich gegenüber der Wechselstelle auf das kulinarische Angebot von "Dinea" aufmerksam. Das Restaurant bietet spanische Paella und ein Glas Rotwein für sechs Euro an. In D-Mark wäre das Reisgericht teurer.
Trotzdem: Das Geschäft mit der neuen Währung läuft nicht. Ganze zehn Euro-Menüs gingen bisher über den Tisch. Sitzen die Berliner etwa lieber daheim und freuen sich über ihre neuen Münz-Schätze, statt zu schlemmen und das Leben auswärts zu genießen?
Zur Ehrenrettung vieler muß gesagt werden, daß das Angebot für Euro in den Geschäften um den Alex, im Nikolaiviertel und auf dem Kudamm recht dürftig ausfällt. Im Café Kranzler mußten Euro-Besitzer mit wenigen süßen Berlin-Souvenirs vorlieb nehmen.
So ist es verständlich, daß nur wenige Berliner die Begeisterung der Sanders teilen. Euro-Beraterin Franziska Guthke kennt die Stimmung unter den Leuten genau. Seit dem 2. Mai steht die vom Europäischen Informationszentrum angeheuerte Ökonomie-Studentin am Infostand im Bahnhof Zoo und will mit den Leuten über den Euro ins Gespräch kommen. "Viele winken gleich ab, wenn ich sie anspreche", erzählt die junge Frau reichlich frustriert. Läßt sich tatsächlich jemand auf eine Unterhaltung ein, stößt sie oft auf Ablehnung. Zu Diskussionen über wirtschaftliche Vor- und Nachteile der Einheitswährung kommt es kaum, weil die Menschen zu wenig wissen.
Mit ihren Kollegen war Frau Guthke im blauen Euro-Zug von Straußberg nach Charlottenburg unterwegs. Auch in den Bahn-Zügen haben die Leute wenig Interesse an Gesprächen. "Nur die Informationsbroschüren über den Euro gehen gut", berichtet Guthke.
Die Idee mit dem Euro-Zug war in jeder Hinsicht ein Flop. Für das Bekleben der vier Waggons mit blauer Folie machten die Veranstalter der Euro-Woche 16 000 DM locker. Schon in der ersten Nacht beschmierten Unbekannte den Zug, so daß die Waggons noch einmal neu hergerichtet werden mußten. Seitdem paßt ein Wachschutz auf das Prachtstück auf.

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                                                11. Mai 1997
"Wir haben niemanden vom Euro überzeugt"

Aber Interesse für die neue Währung wurde geschaffen - Aktionswoche geht zu Ende

 Von Ulrike Heike Müller

 BM Berlin - Die Veranstalter loben sie, den Geschäftsleuten ist sie gleichgültig, die meisten Berliner begegnen ihr mit Skepsis oder Ablehnung - manche aber auch mit Interesse und Zustimmung: Gemeint ist die am Sonntag zu Ende gehende Europa-Woche - veranstaltet von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Informationszentrum (EIZ) und dem Senat.
Die Aktionstage zum Euro wurden mit dem "Europäischen Frühlingsfest" eröffnet. Die Veranstalter konnten vom 2. bis 4. Mai bei strahlendem Sonnenschein mehr als 50 000 Besucher vor dem Roten Rathaus begrüßen.
Geplant war, daß alle Getränke und Gaumenfreuden mit den Berlin-Euro - eigens für die Europa-Woche geprägte Münzen - bezahlt werden. Doch Besucher und Händler machten einen Strich durch die Rechnung: Viele Berliner waren zu bequem, ihr Geld extra umzutauschen, um anschließend ihre Curry-Wurst damit zu bezahlen. Die Händler ließen sich deshalb nicht das Geschäft verderben und akzeptierten die gewohnte DM.
"Wie viele Leute mit dem Euro bezahlten, ist egal. Viel wichtiger war, daß die Menschen mit Fachleuten und Politikern ins Gespräch über den Euro kamen", meint Gerd Wartenberg, Europabeauftragter des Landes.
Und zu Diskussionen kam es auch. Dabei war die Auseinandersetzung oft von Ablehnung der gemeinsamen Währung geprägt. Das Spektrum reichte bis zu aggressiven Äußerungen. Prominente, etwa EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies, hatten es dabei nicht leicht. Mit Standardformulierungen ließen sich die Berliner nicht abspeisen. "Politiker machen die Erfahrung, daß sie nur mit Offenheit weiterkommen. Allein aufgrund von Zeitungsanzeigen oder Broschüren entwickeln die Menschen kein Vertrauen zum Euro", kommentiert Wartenberg die Diskussionen. Ähnlich resümiert Klaus Sühl, Direktor des EIZ, die Europa-Woche: "Wir haben sicher niemanden von der Einheitswährung überzeugt. Aber mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Thema."
In der vergangenen Woche konnten die Berliner mit den Probe-Euro in 60 Geschäften einkaufen. Die Münzen konnten sie bei der Landesbank Berlin zu einem Kurs von 1 Euro = 2 DM eintauschen. Prinzipiell eine gute Idee, die neue Währung für die Menschen erfahrbar zu machen. Da sich von den 11 500 Berliner Geschäften nur wenige beteiligten - zumal mit sehr beschränktem Angebot -, hielt sich aber die Begeisterung der Menschen in Grenzen, und die Unternehmen machten kaum Umsatz in Euro.
Die Stimmung im Handel bringt Karl-Heinz Koch, Filialleiter des Schuhhauses Leiser am Kurfürstendamm, auf den Punkt: "Für uns ist das nur riesiger Aufwand, weil wir den Euro jeden Tag bei der Bank eintauschen müssen."
Positivere Einschätzungen kommen aus der Gastronomie. "Wir haben unser Restaurant europäisch geschmückt und ein attraktives Angebot gestaltet", sagt Peter Fuchs, Direktor des Mövenpick-Restaurants im Europa-Center, "Unsere Gäste nehmen dies mit viel Interesse auf." Auch wenn viele nicht mit dem Berlin-Euro bezahlten, so werde doch über die künftige Währung geredet.
Optimistischer als die Händler schätzt auch Klaus Sühl von der EIZ die Situation ein. Er geht davon aus, daß in jeder dritten Berliner Familie ein Problembewußtsein für den Euro geschaffen wurde.
Dennoch bleibt fraglich, ob mit dem ersten europaweiten Versuch in dieser Größenordnung tatsächlich so viele Menschen erreicht wurden. Sicher dagegen ist, daß den Menschen nicht mehr viel Zeit bleibt, um sich mit dem Euro anzufreunden.

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                                                     12.05.97
Berlin - Sag mir wo der Euro ist, wo ist er geblieben?

      Elf Tage konnte man in 52 Berliner Geschäften probeweise mit der neuen Währung bezahlen. Über 500 000 Münzen wurden an den Schaltern der Sparkasse eingetauscht, doch wirklich gekauft haben damit nur wenige. Die meisten Euros landeten im Sparstrumpf.
Gerade mal 35 Münzen befinden sich nach Ablauf der "Probezeit" in der Cafe´-Kranzler-Kasse. "Wir hatten viel Arbeit mit der Aktion, das Personal mußte ständig über den Euro aufklären. Gekauft wurde dann aber mit D-Mark", faßt Direktor Dieter Essling zusammen.
Auch im Wienerwald blieb die Euro-Kasse kalt. "Etwa 150 Euro haben wir eingenommen, gleich an Stammgäste weitergetauscht," so Restaurantleiterin Monika Knospe.
Selbst die vielen Euro-Schnäppchen machten den Berlinern das neue Geld nicht schmackhaft. Sie zahlten lieber mit D-Mark. "Kein Wunder, der Deutsche ist ein Sammler", so Peter Fuchs, Mövenpick-Direktor im Europa-Center: "Wir wollten auch ausprobieren, wie wir mit dem neuen Geld zurechtkommen. Ergebnis: positiv!"
Viele Sammler hoffen auf hohe Wertsteigerungen. Münzen aus dem Euro-Test im badischen Waldkirch (Okt.'96) kosten bereits das Vierfache.
Aber von diesem Euro gab's nur 6000 Stück, der Berliner hat eine Auflage von 1,3 Mio Stück. Rücktausch gegen D-Mark (Kurs: 1 EURO = 2 DM, keine Gebühr) ist bis 16.5. möglich.
 

                              ©Berliner Zeitung 1997         Übersicht   oder  
                                           12.05.1997
Autor:                                           Susanne Rost
 
Der Euro rollt wieder in den Schmelzofen      Was mit der Sonderprägung nach dem Test geschieht

               1,3 Millionen Münzen des "Spielgeldes" hat die Landesbank Berlin prägen lassen.
               Herstellung, Werbung und Logistik haben 1,3 Millionen Mark gekostet, sagt Sprecher
               Frank Weidner.
               Rund 500 000 Münzen wechselten gegen harte D-Mark ihren Besitzer.
               Nicht einbezogen ist dabei das Wechselgeld, das an 34 Geschäfte und 18 Restaurants am
               Alexanderplatz und am Tauentzien ausgegeben wurde.
               Der Landesbank-Sprecher geht davon aus, daß die Berliner bis zum 16.Mai den größten
               Teil der nicht verbrauchten Vorab-Euros zurücktauschen, denn für Sammler habe es 15
               750 Extra-Münzen gegeben.
               Von 1,3 Millionen Münzen nur 500 000 Stück verkauft: Ist die Aktion also ein Mißerfolg?
               Frank Weidner sieht das anders: So dürfe man nicht rechnen. 500 000 Stück sei eine
               "wahnsinnig große Summe".
               Man habe vorher die Nachfrage nicht abschätzen können.
               Es ging nicht um Profit, sondern um Promotion.
               Und insofern sei der Großversuch "ein sehr großer Erfolg" gewesen.
               Sogar in japanischen Medien sei der Berliner Vorab-Euro eine Top-Meldung gewesen,
               frohlockt Weidner.
               Profit machen - oder: auf ihre Unkosten kommen - könnte die Landesbank ohnehin nur
               mit nicht zurückgetauschten Medaillen.
               Der Probe-Euro war vom 2. bis 11.Mai in fast aller Munde.
               Allerdings auch in fast keiner Ladenkasse.
               Die Einzelhändler, Kaufhaus-Chefs und Gastronomen beschreiben den Euro-Umsatz
               übereinstimmend mit "fast gleich Null".
               Aber: Beinahe jeder Berliner hatte laut Umfrage von dem Großversuch gehört oder
               gelesen.
               Seit heute ist das "Spielgeld" als Zahlungsmittel wertlos.
               Die zurückgetauschten Euros rollen von den Bankfilialen ins Walzwerk der Berliner
               "Münze".
               Platt gewalzt zu hauchdünnen Scheiben werden sie nach Niedersachsen gebracht.
               Im Schmelzofen einer Metallfirma verglüht der Ex-Euro und wird so in seine
               Bestandteile - Kupfer, Stahl, Messing und Nickel - zerlegt.
               Die Metalle werden weiter verarbeitet.
               So könnte aus einem Probe-Euro eine D-Mark werden.

Übersicht   oder 

                                              13. Mai 1997
Das dubiose Geschäft mit  den "Probe-Euros"

 Von Nikolas Rechenberg

 Verwirrung um den "Probe-Euro" - war der Verkauf in den vergangenen Tagen zur "Berliner Eurowoche" eher schleppend, reiben sich jetzt viele Sammler die Augen: Ein Hamburger Unternehmen bietet diese Euros billiger an, als sie in den Filialen der Berliner Sparkasse ausgegeben wurden.
Galt in Berlin zur Eurowoche der Ausgabepreis von zwei Mark für einen solchen Euro, nimmt die Hamburger "Historia" nur den Ecu-Kurs von 1,9526 DM aus April. Sie berechnet statt drei DM für "Eineinhalb Euro" nur 2,93 DM. Für den "Zweieinhalb Euro" sind es statt 5 Mark nur 4,89 Mark und für den "10 Euro" statt 20 DM nur 19,53 Mark.
Bei einem ganzen Satz sind das 65 Pfennig, bei größeren Stückzahlen kommen ein paar Mark zusammen. Die Verwirrung unter den Sammlern war perfekt - viele Berliner fragten sich aufgrund der Anzeigen, ob die Berliner Sparkasse vielleicht die Pfennige aufgeschlagen habe und nebenbei einen Gewinn von fast 100 000 DM erzielte.
"Diese Vermutung ist falsch", erklärte dazu ein Sprecher der Landesbank, "wir nehmen den Euro bis zum 16. Mai zum vollen Ausgabepreis zurück, ohne Gebühren." Man habe selbst keine Erklärung dafür, wie der Hamburger Preis zustande komme. Der Verkauf des Euros als Medaille habe nichts mit der Aktion zu tun - der Berliner Euro sei als "reines Spielgeld" verwendet worden. Alles andere seien "Sammlerspekulationen".
Die Hoffnung auf Wertsteigerung ist nicht unberechtigt: "Euros" aus einem Test im badischen Waldkirch von 1996 kosten bereits das Vierfache des Ausgabepreises. Nur: dort wurden 6000 Stück geprägt, in Berlin 1,3 Millionen.
Von diesen wurden bis Sonntag 500 000 Stück verkauft - der Großteil davon an Sammler. Vom 3. bis 11. Mai konnten die Berliner und ihre Gäste in 52 Geschäften mit den Medaillen zahlen. In den Kassen der meisten Geschäfte, die in der Probe-Woche mitmachten, landeten nur wenige hundert "Probe-Euros". Historia konnte das Rätsel gestern lösen. "Wir haben die Euros zu den gleichen Preisen gekauft, wie sie auch an die Berliner ausgegeben wurden", so Lothar Hentrich von Historia, "wir haben eben günstiger kalkuliert und verkaufen die Medaillen billiger, als wir sie erhalten haben." Die Erklärung für das "hanseatische Kaufmanns-Wunder": Der billige Euro soll als Zugpferd und Werbung für andere Medaillen dienen. Der Verkauf des Euros laufe "ausgezeichnet an". Verbraucher-Experten vermuten noch eine weitere Erklärung: Die Hamburger können den Verlust durch den niedrigeren Verkaufspreis durch den Versand-Kostenanteil (5 Mark) wieder hereinholen - da seien immer "ein paar Groschen" kalkulierbar.

         ©Berliner Morgenpost 1997

 
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